Stilsicher Zitier-Vorlagen präsentieren und Transparenz zeigen: Nachdem die Spendenaktion für ein Grundeinkommen von Johannes Ponader nach teils massiven Protesten wieder eingestampft wurde, geht dieser wieder anderen Erwerbs-Wegen nach und lässt sich ausgerechnet wie folgt zitieren:
Da ich weder von staatlicher Unterstützung noch von Spenden durch Parteifreunde lebe, ist mein Erwerbseinkommen nun wieder meine Privatsache
Das mit der Transparenz war irgendwie anders gemeint.
p.s.: Ponader ist natürlich kein Abgeordneter, was ihn aber nicht an Fingerspitzengefühl hindern sollte. Eine Partei, die sich Transparenz auf die Fahnen geschrieben hat, sollte hier auch entsprechend handeln. Schließlich lassen sich nicht nur Abgeordnete beeinflussen. Ein politischer Geschäftsführer einer Partei ist nicht der Zweite Kassenwart aus Hintertupflingen.
[Update]
Folgende Wortmeldungen auf Twitter sollten nicht unerwähnt bleiben. Es herrscht offenbar weitgehend Konsens, dass erst Transparenz da anfängt, wo Diäten fließen:
@popcorn_piraten Da hat @johannesponader auch Recht. Solange er kein Gehalt von der Partei bekommt ist es seine Sache.
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— Simon Lange (@piratsimon) October 16, 2012
Dann wäre da die Frage, welche Rolle Ponader eigentlich hat. Jessica Miriam Zinn, BVV aus Berlin:
@popcorn_piraten Ponader ist ja auch Privatperson & kein Abgeordneter. Dann müssten wir auch Einkommen aller Bürger offenlegen wollen. ^^
— Jessica Miriam Zinn (@JeZ_Zc) October 16, 2012
Dazu sollte man sie noch einmal selbst zitieren:
Einige wichtige Themen sind für mich Transparenz in der Politik, mehr Demokratie und Stärkung der Bürgerbeteiligung, neben sozialpolitischen Themen, wie z.B dem Recht auf sichere Existenz.
Transparenz ist die Grundlage für informierte politische Entscheidungen. Jeder Bürger sollte politische Entscheidungen von Anfang an nachverfolgen können, um zu sehen ob seine Vertreter auch wie zugesagt oder in seinem Sinne handeln.
Warum der politische Geschäftsführer und seine Einkünfte nun ihrer Meinung nach nicht mehr in die Kategorie Transparenz in der Politik fallen, war in 140 Zeichen vielleicht nicht unterzubringen.
Johannes Ponader hat noch drauf hingewiesen, dass es eine Seite mit Einkünften gibt:
@kopp_hans @jez_zc @popcorn_piraten hier sind alle relevanten EInkünfte: wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Johan…
— Johannes Ponader (@JohannesPonader) October 16, 2012
Kommentare
7 Kommentare zu Draußen tobt der Nebeneinkunftsdebatte, da erklärt Ponader seine Einkünfte zur Privatsache
Das gilt selbstverständlich auch für die anderen Vorstandsmitglieder. Wieso hier ausgerechnet Ponader herausgepickt wurde ist nicht unmittelbar einleuchtend.
Mein schwaches Gedächtnis läßt mich im Stich, ob hier schon etwas bzgl. der Einkommenstransparenz der Abgeordneten zu lesen war. Eh wurscht: Ponaderpicking ist im Trend und macht mehr Spaß. Anscheinend wird’s nur mir so langsam langweilig.
“Reisekosten wurden übernommen” ist also kein geldwerter Vorteil, den Herr Ponader gerne angeben möchte?
Zitat aus der Transparenzseite von Herrn Ponader, woher die 300 EUR kommen: “Details vertraulich”
Ich finde es einfach nur traurig und doch schauderlich amüsant, wie konsequent die Piraten zeigen, dass aber auch JEDES schöne Wort aus ihrem “Programm” beim ersten (Feind-)Kontakt mit der Realität kippt.
Ziemlich erbärmlich. Für solch ein Personal werde ich jedenfalls nicht ein Gehalt für Vorstandsmitglieder (Vorschlag Lauer) über einen höheren Mitgliedsbeitrag zahlen… Ich will schon mindestens wissen in welcher Branche Herr Ponader (und die anderen Vorstandsmitglieder – richtig, puz_le!) jetzt arbeitet und ungefähr, mit “MdB-Genauigkeit”, wissen, wie er da verdient.
Die Nebeneinkünfte des Piraten-Abgeordneten Morlang sind anscheinend auch Privatsache:
http://www.piratenfraktion-berlin.de/nebeneinkunfte/
Scheint, als wären die Piraten an den Stein der Realität geraten und dabei zerschellt. Tranzparenz, war immer DIE Kernforderung, als Allheilmittel gegen Korruption und Freunderlwirtschaft geprisen, man müsse nur alles transparent machen, schon gehts uns allen besser, weil dann keiner mehr bescheisst und beschummelt, vor allem nicht uns alle.
Jetzt wird anscheinend bemerkt, dass es doch gute Gründe gibt, eben nicht alles transparent zu machen, und auch, dass es nichts hilft, denn Korruption blüht im Dunklen und Verborgenen. Transparenz wird da auch kein Licht reinbringen können, sie ist ein Werkzeug, das in anderen Dingen hilfreich ist.
Ponader ist offensichtlich nicht der einzige, der Wasser predigt und Wein säuft.